Montag, 18. Januar 2010

Jerusalem Alarm: Al Maqdese über jüdische Angriffe auf Sheikh Jarrah


In Komplizenschaft zwischen Militär, Regierung, Stadtverwaltung und Siedlergruppen wird Jerusalem mehr und mehr judaisiert

Sheick Jarrah, nördlich der Altstadt von Jerusalem ist berühmt durch das Orient Haus und seinen langjährigen Hausherrn Faisal Husseini, der vermutlich durch israelisch/arabische Komplizenschaft umgebracht wurde. Auch jedem internationalen Journalisten ist Sheikh Jerah bekannt durch das dortige historische Hotel American Colony, das Palästinensische Nationaltheater und die vielen diplomatischen Missionen, z.B. die englische oder die türkische. Auch die deutsche Friedrich Ebert Stiftung ist dort zu Hause und das internationale Rote Kreuz.
Lageplan


Seit 1972 bedrängen Siedler Sheikh Jarrah
Seit 1972 versuchen aggressive Siedlergruppen die Bewohner zu terrorisieren und in Sheikh Jerah einzudringen. Zum Beispiel wurde seit Ende der 9er den Beschäftigten der Friedrich Ebertstiftung an Samstagen (shabat) der Zugang verwehrt, der Betrieb an jüdischen Feiertagen fast unmöglich gemacht und alles versucht, die Institution und die Nachbarn zu vertreiben.
Inzwischen haben sich dort fast 2 500 Siedler eingenistet - Häuser wurden besetzt mit der Behauptung, die Gebäude hätten vor 1948 Juden gehört, und diese dann unter israelischem Polizeischutz mit Wachtürmen, Anbauten und Checkpoints erweitert.

Al Khurd Familie, Al Ghawi, Al-Huseini. Al Khais und viele andere werden seit 1967 bedroht.

Siedler und Polizei Hand in Hand im Haus der Al Khurd Famlie
Besonders aggresive Siedler, die Zion Settlers, haben seit 1999 6 Häuser der großen Al Khurd Familie an sich gerissen - unter dem Schutz der Israelischen Armee. Erst vor kurzem, am 27. November 2009 wurde das Haus von Nabil Al Khurd, das vor 9 Jahren vom israelischen Gericht zwangsgeschlossen wurde, nachts um 2 Uhr von diesen Siedlern angegriffen. Seine Mutter Rifka Al Khurd, die darin weiterhin lebte, wurde dabei verletzt, musste ins Krankenhaus gebracht werden und während sie dort war, warfen die Siedler all ihre Möbel und all ihr Hab und Gut aus dem Haus (siehe Foto).
Diese Siedler griffen bisher weitere Familien an wie Hanoon und Al-Ghawi. 53 Palästinenser wurden hinausgeworfen, darunter allein 20 Kinder. Man weiß, dass sie weitere 24 Häuser im Auge haben, 500 Jerusalemer sind betroffen, 540 neue Häuser wollen die Siedler dort errichten. 18 Acre um ein angeblich altes jüdiches Grab wurden vereinnahmt und weitere 28 Häuser sollen nach Plan 12750 der Jerusalemer Stadtverwaltung dort entstehen, eine religiöse Schule für 50 Tora Studenten dazu. Diese, so weiss man aus der Altstadt, zeichnen sich durch besondere Aggressivität aus, werfen ihren Abfall auf die Häuser der palästinensischen Nachbarn, drohen auch schon mal mit gezielten Schüssen auf Lampen und Eingänge. Die 'Toraschüler' sind zumeist Kriminelle, die durch Beten und Frömmigkeit auf eine besseren Weg gebracht werden sollen - der Staat subventioniert diese 'Sozial-Arbeit'.
Ein großer Teil der bedrohten Palästinensischen Familien in Sheikh Jarrah sind bereits Flüchtlinge von 1948, als Israel in der westlichen Neustadt Palästinenser hinauswarf und ihre Häuser für Immigranten 'freiräumte' - sie zogen in einige dieser Häuser in Sheikh Jerah als Flüchtlinge ein aufgrund einer Vereinbarung zwischen UNWRA und Jordanien.
Kolonien, Synagogen, Kindergärten, Parks enstehen aufgrund offizieller Pläne - ändern die Demografie und dienen der Judaisierung Jerusalems
Inzwischen sind im Herzen von Sheikh Jarrah mehrere israelische Kolonien entstanden:
Qubaniat Em Haroon: Nahe der Nablus Straße. 33 Häuser gehören Palästinensern, 175 Bewohner sind betroffen, viele Flüchtlinge von 1948. Die Familie Abu Ktaish wehrte sich per Gericht mehrere Jahre gegen Evakuierung und Enteignung, am 15.10. 2009 übernahmen Siedler das ganze Gebiet.
Shepherd Hotel: das Gebäude und das Land gehört der Husaini Familie. Schon 1967 besetzte die (West-) Jerusalemer Stadtverwaltung das Hotel und enteignete das Land, auf dem immer noch Teile der Familie leben. Es wurde als 'Abwesenden Land' deklariert, und 1985 kaufte der bekannte amerikanische Zionist und Millionär Irfeg Moskowitsch (der in Ras Al Amud schon traurige Berühmtheit mit dem Bau einer jüdischen Festung inmitten des palästinensischen Quartiers erlangt hat) das Ganze, vermietete es an das Hauptquartier der israelischen Polizei und in Kooperation mit der aggressiven Siedlergruppe Ataret Kohanim, die seit den 80ern auch in der Altstadt Gebäude besetzt hält, sollen dort 60 Wohneinheiten, eine Synagoge , ein Kindergarten und ein Park enststehen.

Offizielle Bebauungspläne der West-Jerusalemer Stadtverwaltung segnen den illegalen 'Judaiserungsplan' ab
All diese nach internationalem Recht illegalen Projekte werden 'quasilegal' abgesegnet durch offizielle Pläne, wie im Falle des Shepherd Hotels durch Plan No. 1156 der (West-)Jerusalemer Stadtverwaltung. Das Land umfasst nicht nur das Shepherd Hotel sondern auch einen großen Olivengarten von 110 Acre und ist als 'green land' seit dem englischen Mandat nicht zu weiterer Bebauung ausgewiesen. Die Israeli Land Administration ILA, die seit den 50er Jahren der Besitzer und Verwalter des ehemals palästinensischen Landes in Israel ist, hat den Besitz übernommen und 2006 bereits der Gruppe Ataret Kohanim 'zur Nutzung' übergeben. Jetzt wird behauptet, das Land würde für 'Öffentliche Zwecke ' benötigt, eine andere Form der 'Legalisierung' des Raubs an palästinensischem Eigentum - in Wahrheit ist dort eine neue jüdische Kolonie geplant 'Al Sadeq Shimon'.

Shepherd Hotel und der Olivengarten in Sheikh Jarrah

Mit der jüngsten Kabinettsentscheidung, die Umgebung jüdischer Siedlungen 'araberrein' zu halten, schaffen (siehe u.a. Links) die Zionistischen Institutionen und ihre Siedler neue Gründe, um palästinensische Häuser abzureißen und ihre Bewohner zu vertreiben - das tödliche Karussel der Judaisierung Jerusalems dreht sich weiter.
Quelle: eigene Ermittlungen und al maqdese. Originaltext siehe: http://www.al-maqdese.org/english/news/plugins/spaw/uploads/files/alshaikh_jarrah_report.pdf
siehe auch:

Sonntag, 10. Januar 2010

Jerusalem Alarm - Al Maqdese berichtet: 2009 103 Häuser zerstört

Bericht von Al Maqdese for Society Development am 7.1.2010
Die traurige Bilanz der Zerstörung für das Jahr 2009 von einer rassistischen Regierung, die Menschen obdachlos macht, sie aus ihren Häusern treibt, ihr Hab und Gut zerstört, weil sie Palästinenser sind.
Sie werden aus der Stadt getrieben, um die Judaisierung Jerusalems perfekt zu machen. Im Jahre 2009 allein:
- 103 Häuser zerstört,
- 570 Menschen ohne Dach über dem Kopf
davon
- 281 Kinder.
Es betrifft die Altstadt von Jerusalem. Das von der UN zum Weltkulturerbe erklärte eimalige historische Ensemble arabischer Baukultur ist mit seinen bedeutenden Stätten des Christentums, des Islams und nicht nur des Judentums in seiner außerordentlichen Multikulturalität immer mehr bedroht!
- 38 Häuser in der Altstadt sind zerstört
Neben Silwan, El Ezzariye, Ras el Amud, Beit Hanina .... ist Jibl al Mukaber - Nahe Bethlehems im Zentrum der Zerstörung, allein
- 47 Häuser in Jibl Al Mukaber zerstört
Dort will die zionistische Stadtverwaltung weitere Kolonien als Keile zwischen die palästinensischen Wohnviertel treiben.
Und das Zerstören geht weiter....
Mit einer derart rassistischen Regierung kann und darf die Bundesregierung nicht zusammensitzen und weitere Lieferungen von Geld und Waffen verabreden!

Die Übersicht zum zerstörerischen Angriff auf Jerusalem


Mittwoch, 6. Januar 2010

Jerusalem Alarm: Stop Israel!

Eine Kabinettssitzung von Merkel - Westerwelle an einem Tisch mit einer rassistischen Regierung Netanyahu - Lieberman, die Wohnungen zerstört, weil ihre Bewohner Palästinenser sind?
Die Stadtverwaltung von Jerusalem, die gegen internationales Recht 1967 im Zuge der Besetzung der West Bank auch Ost Jerusalem annektiert hat, verplant seitdem die gesamte Stadt mit illegalen Mitteln. Am 28.12.2009 beschloss die Stadtverwaltung ein unglaubliches ‚Neujahrsgeschenk‘ an die Palästinensische Bevölkerung:
Einen ‚Masterplan‘ der Zerstörung
, nachdem in Silwan, südlich der Altsadt, Al-Bustan und Al-Thouri 312 Wohngebäude zerstört werden sollen. Aktuell sind bereits 88 Gebäude in Silwan von der Zerstörung bedroht (gelbe Linie siehe Karte 1), was 1.000 Bewohner obdachlos machen wird.
Nicht nur betreibt Israel auch hier die fortschreitende und lange geplante Eliminierung palästinensischer Existenz, sondern beginnt erneut, die Geschichte umzudichten: aus Silwan soll ‚Air David‘ werden, aus Wadi Hilwa ‚Kfr Hshelwah, aus Al Bustan ‚Gad Hmealakh‘.

Das ist Rassismus und Teil einer staatlichen ‚ethnokratischen Raumplanung‘ (Yiftachel 2006), der es nicht um Versorgung und gleiche Lebensbedingungen aller Bürger geht, sondern um den Ausschluss der autochthonen palästinensischen Bevölkerung auf der einen Seite und Judaisierung des palästinensischen Raumes im weitesten Sinne auf der anderen Seite – ein Verstoß gegen Völkerrecht und Genfer Konvention

Karte 1: Stadtverwaltung Jerusalem, Plan der Zerstörung vom 28.12.2010 (gelbe Linie 1. Phase, rot weitere Gebiete) Foto: Siedler-'Hochhaus' illegal in Silwan - ohne Genehmigung mitten in dem max. zweigeschossigen arabischen Quartier - ein Fremdkörper als Vorposten für 'Air David'?

Karte 2: bisherige jüdische Siedlungen in Ost-Jerusalem, Stand 2006 , Karte 3: Groß - Jerusalem, Plan von 198
7
Quellen: Al-Maqdese 31.12.2009, arij 2006, Passia 2005
Und zur sonstigen Politik, die dazu passt: Brief aus Jerusalem zum Jahresende
"Der politische Druck in Jerusalem, dem wir alle und meine Familie ausgesetzt sind reicht von gestiegenen Steuern, vor allem der sog. Haussteuer, die nur wir bezahlen müssen, bis zu den erhöhten Wasserrechnungen. Seit dem Sommer zahlen wir eine besondere 'Dürre'- Steuer, die so daherkommt, dass es für jedes Familienmitglied eine Höchtsgrenze des Wasserverbrauchs gibt. Das heißt, 20 Liter pro Tag und Person maximum, und wenn jemand mehr verbraucht, wird das zusammengenommen am Ende des Monats für jeden Haushalt ausgerechnet. Wenn überzogen wird, dann gibt es eine Strafe von mindestens 400 Shekel (ca. 80 Euro), die je nach Verbrauch noch erhöht werden kann und der Preis pro zusätzliche Liter wird zusätzlich enorm erhöht. Für diese neue ‚Abrechnung‘ muss nun jedes Familienmitglied sein Recht auf Aufenthalt notariell überprüfen lassen und die Ausweise müssen dafür neu beantragt werden. Das wird indirekt wieder viele Jerusalemer um ihre Existenz bringen, denn wer kann schon alle Anforderungen aus dem Innenministerium beibringen. Und am Ende wird es wieder so sein, dass es auf den jeweiligen Beamten ankommen wird, ob Du ihn 'überzeugen' kannst - kein Raum für Logik!
Ich weiss , dass Dich diese Nachrichten krank machen werden, aber was sollen wir machen, so ist die Besatzung.
Dann gibt es noch etwas Neues von der Israelischen Regierung:
1. 'Araber' dürfen nicht in Israelischer/Jüdischer Nachbarschaft wohnen oder leben, das heißt im Klartext, dass Arabische Nachbarschaften innerhalb der 'Grünen Linie' oder in Ost Jerusalem unter diesem Gesetz zerstört werden und die Familien vertrieben werden können.
2. Das Israelische Kabinett hat beschlossen die Verfahren zur Familien-Vereinigung ab sofort einzufrieren."

Mit dieser Regierung kann doch kein demokratischer Staat am 18.1.2010 in Berlin bedingungslos zusammensitzen und über Geld- und Waffenlieferungen verhandeln.
siehe auch:

Und welches Spiel spielen die deutschen Medien? Zum Beispiel der wdr 3, vom 3.1.2010
Aus meinem Brief an die wdr 3 Redaktion.

Sehr geeherte Damen und Herren,
soeben fielen mir zwei von Ihren Sprechern benutzte Sätze unangenehm auf, weil sie damit Wirklichkeit nun tatsächlich auf den Kopf stellen und dies eine gefährliche Desinfoirmation darstellt, die der wdr sich nicht leisten darf.
:"... die israelische Hauptstadt Jerusalem", kurz vor den 18 Uhr Nachrichten.
Sie wissen doch genau, dass Jerusalem, vor allem der Osten 1980 - also nach der 67 Besetzung der West Bank - widerrechtlich und gegen internationales Recht zur unwiderruflichen Hauptstadt Israels durch ein Knessetgesetz erkärt und okkupiert wurde und gerade jetzt unter großer internationaler Kritik steht, weil Israel - ebenso gegen internationales Recht - einen Siedlungsring immer enger um Ost Jerusalem zieht, Häuser zerstört und die palästinensische Gesellschaft immer mehr drangsaliert, um schließlich jede Möglichkeit von zwei Hauptstädten oder einer gemeinsamen Stadt von zwei Staaten zu verunmöglichen. Es ist Volksverdummung was Sie betreiben, im Sinne eines Staates, der sich um keine internationalen Abkommen schert und das Projekt ein Erez Israel in den Grenzen des Mandats von der Küste bis zum Jordan zu errichten, eisern verfolgt.
:" .. nachdem die radikal islamische Hamas die Macht im Gazstreifen an sich gerissen hatte..", in den darauf folgenden 18 Uhr Nachrichten. Das sagen sie nun schon mehrfach und immer wieder und haben vor einem Jahr genau das gleiche gesagt, um die tödliche Invasion Israels in den Gaza Streifen zu erklären oder 'zu entschuldigen'? Ich habe das ebenfalls vor einem Jahr kritisiert - ohne eine Reaktion von Ihnen. Ist Ihnen denn wirklich entgangen, dass die Hamas damals die Wahlen gewonnen hatte? Von 'Macht an sich reißen' nun wirklich keine Spur - eher wollte die Fatah ihre Macht nicht abgeben und hat es fast zu einem Bürgerkrieg gebracht.
Hübsch dann die Theaterbesprechung der Inscenierung von Frau Avnery im Anschluss: die beiden Völker sollten es doch mal mit Liebe probieren - diese sinngemäss. So a-historisch kann doch kaum jemand sein.
Ist es denn inzwischen so, dass fast alle Medien bei Israel nicht mehr die Wahrheit sagen und die israelische Geschichtsversion kritiklos benutzen (müssen)? Ist eine gemeinsame Sitzung des deutschen und israelischen Kabinetts, mit eindeutig rassistischen Politkern wie Lieberman, die völlige Absage an gleiche Maßstäbe gegenüber allen Straaten, wenn es um Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung geht? Ist Ihre Sprache die gültige und bedingungslose political correctness? Hat Ilan Pappe recht, wenn er sagt, Israel kann tun und lassen was es will, es hat zwei Versicherungspolicen 1. den Holocaust und das europäische, vor allem das deutsche schlechte Gewissen und 2. die ökonomischen Nah-Ost Interessen der USA? Das kann nicht die einzige Lehre aus Faschismus und Judenverfolgung sein.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Viktoria Waltz

Wie auch schon vorher gibt es bis heute keine Antwort darauf.

Sonntag, 3. Januar 2010

Israels Architektur - Krieg den Palästinensern mit anderen Mitteln?


Kommentar zu
Eyal Weizmann 'Sperrzonen. Israels Architektur der Besatzung' +
Myra Warhaftig 'Sie legten den Grundstein'
Sperrzonen
Endlich ist eine Veröffentlichung eines israelischen Architekten auf dem deutschen Büchermarkt, der die Rolle von Architektur und Planung bei der Kolonisierung Palästinas enthüllt. Entsprechend gewürdigt bei den (wenigen) Kritikern Israelischer Besatzungspolitik spricht Weizman eine offene Sprache und benennt den gewaltsamen Charakter einer bewussten Architektur, die die Zerstörung Palästinensischer Landschaft, Identität und Geschichte und schließlich der gesellschaftlichen Realität beabsichtigt und eine imaginierte jüdisch/zionistische ‚Realität in Stein und Beton‘ an die Stelle setzt.
Für jemanden, der dies seit Jahrzehnten verfolgt und beschrieben hat, ist dies nicht wirklich neu, aber die Hintergründe, die durch die Kenntnis der hebräischen Quellen und Dokumente und viel Insiderwissen des Autors viel deutlicher werden, zeigen noch einmal viel klarer die bewusste Anwendung von Planung und Architektur als Mittel der Besetzung und Eroberung Palästinas bis zum bitteren Ende des zionistischen Projektes. Der Versuch, diese Form einer Besatzungsarchitektur, die erwürgt, zerstört und auslöschen möchte, was vorher war, in einen architekturtheoretischen Kontext unter Globalisierungsaspekten zu setzen, macht die Lektüre noch einmal besonders interessant. Vor allem der Begriff des ‚Labor für Extremsituationen' – Irak, Afghanistan, Yemen, und wer weiss, was in der kommenden Zeit Südamerika erwartet – ergibt enormen, wenn auch traurigen Sinn für neue räumliche Techniken der Durchsetzung globaler Interessen an den Ressourcen anderer Völker. Ja, man muss davon ausgehen, dass ‚Raumordnung‘ und Raumplanung nur ein andere Form neokolonialer Politik ‚mit anderen Mitteln‘ darstellen.

Aber gilt dies nur für die 1967 Besetzten Gebiete Palästinas?
Ist die in einigen Rezensionen gezeigte Begeisterung deshalb so groß, weil die Kritik am Unrecht der Besatzung auch hierzulande angekommen und als akzeptabel empfunden worden ist, solange der Gründungsmythos Israels nicht angegriffen wird? Nur kurz gibt Weizman in dieser Veröffentlichung einen Hinweis darauf, dass das koloniale Projekt nicht erst mit der 1967er Besetzung anfängt. Den Mythos Israel als einzigartiges Land der ‚Demokratie und Moderne‘ im Nahen Osten mit vergleichbarer Sorgfalt und Insiderwissen aufzuspüren, wäre notwendig. Während nämlich dem illegalen Siedlungsprogramm oder besser Kolonialisierungsprogramm Israels in der West Bank und Ost Jerusalem offenbar keine Macht der Welt Einhalt gebieten kann oder will, die Zerstörung des historischen Jordantals durch ein gigantisches Kapitalprojekt keinen Kulturinteressierten auf die Barrikaden bringt, wird die so genannte ‚Weiße Stadt‘ Tel Avivs‘ in den Stand eines ‚Weltkulturerbes‘, die vorstaatliche Kolonisierung sozusagen in den ‚Adelsstand‘ erhoben.

Sie legten den Grundstein
Dazu passt ein ganz anderes Buch der deutsch-israelischen Architektin Myra Warhaftig ‚They Laid the Foundation‘, ‚Sie legten den Grundstein‘ über Leben und Wirken deutschsprachiger jüdischer Architekten in Palästina von 1918 bis 1948. Es ist ein schönes Buch für Architekten, mit vielen Fotos und Plänen zu solchen Gebäuden wie die der ‚Weißen Stadt‘, Bauten der Moderne, viele von Bauhaus Architekten errichtet. Während die so genannten Pioniere, selbst begeisterte Zionisten, Modelle für zionistische Kollektivdörfer Kibbuzim und Moshavim entwarfen, arbeiteten Bauhaus Architekten v. a. an Visionen modernen jüdischen Lebens für den städtischen Raum, der Gartenstadt und schufen Repräsentativbauten in Tel Aviv, Haifa oder der Neustadt von Jerusalem.
Fotos: 1. Moshavim Ovadim 1922 Arch. R. Kaufmann; 2. Residenz Kupfermann, 1936, Haifa, Arch. Arieh Sharon 3. Tivon Garden Town, Siteplan, 1940, Arch. Klein, 4. Gartenstadt Kiryat Gad 1950, Arch. Glikson;


Mit keinem Wort ist in Warhaftigs‘ Würdigung dieser Architekten von Landnahme oder Konflikten mit der autochthonen Bevölkerung die Rede, und passt zu der Dissertation Erika Spiegels zu den '30 New Towns' in Israel aus den 1950er Jahren. Es scheint nur einen formellen Widerspruch zwischen europäischer Moderne und ‚arabischer‘ Bauform zu geben, die einige Architekten durch Ornamentales und den Jerusalemer Stein, eine englische Bau-Auflage, zu harmonisieren versuchten. Dem zum Trotz bleibt auffällig, dass Masterpläne auch damals schon, vor 1948, den Charakter von Wehrdörfern und Wehrsiedlungen trugen. Der herausragende Architekt des ‚Erez Israel‘ war Richard Kauffmann, der über 400 ‚Siedlungen‘ plante und baute, ländliche wie städtische und dazu 160 öffentliche und private Gebäude.

Solche Architekten bildeten und bilden spätere Generationen Architekten am Technion in Haifa aus. Sie wurden ‚Frontsoldaten‘ der räumlichen Kolonisierung nach 1948 in Israel, nachdem die bewaffneten Milizen 750.000 Palästinenser aus dem Raum Israel vertrieben hatten. Insofern steht die von Weizman analysierte Sperrzonen Architektur durchaus in dieser vorstaatlichen und vor-1967er Tradition. Traurig ist jedoch, dass die vielen aus Deutschland vor dem Faschismus geflüchteten Architekten das zionistische Projekt Israel widerspruchslos vervollkommnet haben.
Eyal Weizman und wenige andere machen da eine hoffnungsvolle Ausnahme.

Weizman, Eyal (2008): Sperrzonen. Israels Architektur der Besatzung. Deutsche Ausgabe. Nautilus. Hamburg
Warhaftig, Myra (2007): They laid the foundation. Lives and works of German speaking Jewish Architects in Palestine 1918-1948. Second edition, revised and enlarged. Wasmuth. Berlin

Eyal Weizman, Tel Aviv/London ist Architekt und Aktivist mit entsprechenden Veröffentlichungen und Beteiligung an Aktionen wie der Ausstellung ‘Decolonizing Architecture’, ein Beitrag zur letzten Architektur Biennale in Venedig
Myra Warhaftig, in Haifa geboren und 2008 in Berlin verstorben, war deutsch-israelische Architektin und Schriftstellerin mit Veröffentlichungen u.a. in der Bauwelt

Sonntag, 27. Dezember 2009

Gaza - Nakbe: Mythos und Realität Israels


Israel - mit Gewalt entstanden, nur mit Gewalt hält Israel seine Herrschaft über das palästinensische Volk und sein Land
Die Entstehung Israels war nur mit Gewalt möglich. Die Gründung des ‚Staates des Jüdischen Volkes‘ basiert auf Vertreibung, Enteignung und langsamen Völkermord. Gewalt durchzieht den Prozess vom Gründungskongress über die Nakba bis zu den heutigen Verwüstungen in Gaza und Jerusalem.

Ein Jahr nach dem Überfall auf Gaza 2008/09 besteht noch immer eine totale Blockade aller Güter, bedroht das Israelische Militär immer wieder die Menschen im Gaza Streifen aus der Luft, zu Lande und aus dem Wasser. Die Schäden des letzten Krieges wurden nicht beseitigt. Obwohl Israel bereits auf der Anklagebank sitzt, wird es weiter von den reichen Ländern unterstützt.
Seit dem Baseler Kongress 1897 über den UN Teilungsbeschluss 1947, die Gründung des Staates Israel durch Krieg, die militärische Besetzung der West Bank, des Gazastreifens, der Golanhöhen und Ost Jerusalems, die Kriege im Libanon bis zum Mauerbau und den Angriff auf den Gazastreifen kennt das zionistische Israel nur Gewalt, Landraub, Raub an den Wasserressourcen, Zerstörung und Vertreibung. Nicht nur in den 1967 besetzten Gebieten, sondern auch in Israel selbst werden den Palästinensern Menschenrechte verweigert und sind sie Diskriminierung und Zerstörung ausgesetzt.
Der 'Unabhängigkeitskrieg'? Ein Mythos. Die Vertreibung von 750.00 Palästinensern 'ein Unfall'? Welch eine Lüge.
'Der einzige demokratische Staat' der Region? Ein Mythos. In welchem Staat der Welt werden 100.000 Bürger des Landes als 'Abwesende Anwesende' bezeichnet und ihre Dörfer und Wohnungen als 'illgal' behandelt und bekommen deshalb werder Strom noch Wasser oder Schulen?
'Notwehr' der Grund der Besetzung 1967 ? Ein Mythos. Israel war vor allem an den großen Wasserressourcen unter der West Bank intressiert und lässt den Palästinensern bis heute Zugang zu nur etwa 10% des Wassers.
'Sicherheitsmassnahme' der Bau der Mauer? Ein Mythos - wieso verläuft sie dann nicht an der Grenze, sondern tief in die West Bank hinein und umschliesst ganze Dörfer und Städt wie Ost-Jerusalem?
'Abwehr' der Angriffe aus Gaza eine Selbstverteidigungsmassnahme? Eine Lüge, denn es gab wie verabredet seit langem keine Angriffe; erst erneute Provokationen Israels und die andauernde Blockade forderten die Hamas zu erneuten Angriffen heraus.
Israel, ein armes bedrängtes Volk, das nur um seine Existenz kämpft? Auch das ein Mythos, wie die Geschichte der andauernden israelischen Gewalt zeigt.
Die Zerstörungen im Gaza Streifen und die andauernde Blockade sind nur als ein weiterer Schritt zu dem lange geplanten langsamen Genozid am palästinensischen Volk zu verstehen.
Die zionistischen Ideologen wussten von Anfang an, mit welchen Mitteln sie an das Land der Palästinenser gelangen würden.
Theodor Herzl in seinen Schriften:
Wer der Fremde im Lande ist, das kann die Mehrheit entscheiden; es ist eine Machtfrage“(Herzl Alt-Neuland 1896: 11)
Wir verlangen,was wir brauchen -Je mehr Einwanderer, desto mehr Land“ (Herzl, Tagebücher, BdII:160, 9.10.1898
Moshe Dayan 1968; am 5.7.68 vor der Kibbuz Jugend Organisation, in The Times 25.6.69
"Unsere Väter haben die Grenzen erreicht, die im Teilungsplan von 1947 anerkannt wurden. Unsere Generation erreichte die Grenzen von 1949. Aber die Sechs Tage Generation war in der Lage, Suez, den Jordan und die Golan Höhen in Syrien zu erreichen. .. Dies ist nicht das Ende, denn nach den augenblicklichen Waffenstillstandslinien wird es neue Linien geben. Aber diese werden über den Jordan hinausreichen, vielleicht in den Libanon, vielleicht nach Zentralasien."
Mehr dazu und zu den Plänen Israels:

Sonntag, 20. Dezember 2009

Israel ohne Ost-Jerusalem – wie Zionismus ohne Zion? Zur israelischen Siedlungspolitik in Jerusalem

Stationen der Siedlungspolitik in Jerusalem

- rot: enteignete Zonen - 'Nord-Süd-Gürtel' - Kolonien in 'Groß Jerusalem'

Israel Mythos und Realität – Urbizid in Jerusalem
Der Berg Zion in Jerusalem gab dem Zionismus seinen Namen. Aber historisch hatte Jerusalem im Kolonialisierungsprogramm der Zionistischen Bewegung zunächst nicht erste Priorität, die Jerusalemer Juden waren keine Zionisten, auf sie mochte man vorerst verzichten. Tel Aviv, die ‚weiße‘, moderne, und erste ‚rein jüdische Stadt‘, entsprach den kolonialwilligen Europäern viel mehr. Die jeweils herrschenden Zionisten waren zudem immer auch pragmatisch, nach dem Motto: wir nehmen was wir bekommen, was dann kommt sehen wir später…. Dizengoff Platz Tel Aviv: Weisse Stadt 1935

Das änderte sich seit der Staatsgründung und erst recht seit der Besetzung Ost Jerusalems im Zuge der West Bank Besatzung. Ben Gurion vermerkt in ‚The Revolt‘1951(S. 164) “ …The question of Jerusalem is not a question of arguments or policy, it has first priority and is an issue of possession and power. Do we have the military power
a. in order to take the Old City,
b. to secure a broad passage from Tel Aviv to Jerusalem, not only for better access, but also to establish a space for settlements, which will connect Jerusalem firmly to the Jewish State, and
c. to destroy the spatial continuity of the Arab communities in the Triangle?
If we do not reach, we cannot say, that we, Israel, have liberated Jerusalem.”
Seit der Besetzung im Juni 1967 geht es dann Schlag auf Schlag mit den bewährten Mitteln. (siehe http://www.palaestina-portal.eu/mythos_israel_%20muenchen_viktoria_waltz_12_09.pdf/ )
- Politische und militärische Übernahme der Macht am 7.6.1967; 26.7.1967 Zensus, Registrierung der ‚Anwesenden‘ als ‚permanente Bewohner‘ mit Aufenthaltsrecht (Law of Entry 1952); 27.7.1967Annexion an Israel; 28.7.1967 Zwangseingliederung in die West-Jerusalem-Verwaltung und Erweiterung der Stadtgrenze um das Dreifache; 29.7.1967Auflösung des Stadtrates und Deportation der Führung nach Jordanien; Schließung aller Banken und Handels- und Geschäftshäuser sowie Zwangsangliederung an das israelische Banken/Finanz-und Handelssystem; 1980 endgültige Erklärung zur ‚unteilbaren und ewigen Hauptstadt Israels‘ durch die Knesset, das israelische Parlament;
- Konfiszierung von Land und Eigentum, Zerstörung von Häusern und Illegalisierung sämtlicher palästinensischer Neubauten aufgrund von in Israel gültigen Verordnungen wie z.B. die nie revidierten ‚Ermächtigungsgesetze‘ der Engländer von 1945/48, das Gesetz über ‚Land von Abwesenden‘ von 1948/49 (alle die, die während des Zensus zufällig oder wegen des Krieges nicht auf ihrem Land anwesend waren, die sog. 'Anwesenden Abwesenden', eine Kategorie von Bewohnern, von der allein in Israel heute mehr als 100.000 Palästinenser, vor allem Beduinen, betroffen sind), und das Planungs- und Baugesetz von 1965 und Anwendung auf jordanisches Baugesetz, Enteignung und Überplanung z.B. für 'öffentliche Belange';
und auf dem konfiszierten Land
- Jüdische Kolonisierung der Stadt durch Groß-Siedlungen, Groß-Farmen, Naturschutzgebieten, Straßen und einem immer dichteren Netz von kleineren Siedlungen, die mittlerweile ganz
Jerusalem umringen, Masterplan für Jerusalem 1968, und zwar schnell:
'...the wish to maintain a Jewish majority and the desire to safeguard Jerusalem's status as a natrional capital - have all served to greatly accelerate the pace of construction and development' (Kroyanker 1982: 2); 1/3 des Jerusalemer Landbesitzes wurde seit 67 bis heute für die Kolonien enteignet; Palästinenser sollen 'verschwinden', Judaisierung im Verhältnis 72% zu 28% bestimmt sämtliche Planungen; seit 1967 sind ca. 50.000 Palästinenser zwangsausgebürgert worden (Weizmann 2008: 57;60)
- Zusammenwirken von World Zionist Organisation, Jüdischer Agentur und Jüdischem National Fond, den zentralen zionistischen Organisationen zur Landbeschaffung und Kolonisierung einerseits, dem Militär und dem Staat andererseits und schließlich den aggressiven Siedleraktionen.
Dies ging in Etappen von außen nach innen und von innen nach außen, der Kreis schließt sich heute bis in die palästinensischen Wohngebiete.
1. Etappe Konfiszierung und Kolonisierung von innen:
Bilder:
1. MusraraViertel vor 67, 2. Maghreb Viertel vor 67 3. Canada Park, auf den Trümmern von Yalu, Beit Nuba und Imwas

o Zerstörung des Maghrebviertel Plaza vor der Klagemauer;
o Vertreibung der Bewohner des sog. Jüdischen Viertel - Übernahme durch Jüdische Siedler, Umwandlung durch 'Renovierung' und Neubauten;
o Abriss der Wohnhäuser und Geschäftsbauten unmittelbar an der Altstadtmauer, am Damskustor, Jaffator, Neutor Umwandlung, 'Museumsmeile' und Grüngürtel.

2. Etappe Konfiszierung und Kolonisierung von außen
o ‚Nordtor‘ Ramot Allon und Bet El,
o ‚Osttor‘ Ma’ale Adumim,
o ‚Südtor‘ Gilo und Efrat.
Enteignet werden Ländereien der Stadtteile und umliegenden Dörfer: Beit Iksa, Beit Hanina, Nabi Samuel, Hizma, Jab’a, Al Jeep, Baitunya, Bir Nabala, Shuafat, Ras Khamis, Ras Shuhada, Abu Dis, al Ezzariya, Isawiyya, Anata, Silwan, Al-Tur, Zay’im, Umm Tuba, Beit Safafa, Beit Jala und Land der Beduinen für die diversen Siedlungsringe:
o 1.Siedlungsgürtel 1968 – 1973: Verdichtung des ‚Nordtors’, Ramat Allon, French Hill, Mount Scopus, … ;
o 2.Siedlungsgürtel 1970 – 1985: Verdichtung des 'Südttors', Gilo, Talpiot, … ;
o 3.Siedlungsgürtel 1975 – heute: Verdichtung des 'Nord- und Osttors', Ma’ale Adumin, Pisgat Ze’ev, Neve Yakub, Anata, …
3. Etappe Verdichtung und Engerziehen der Ringe um Ost Jerusalem zwischen Bethlehem und Ramallah bis heute
o 'Nordring': Givat Ze’ev, Givon Hahadasha Psagot, Kochav Yochav Yaakon, Ma’ale Mikmas, Sha’ar Benjamin, Adam … ;
o 'Ostring': Almon, Kefar Adumim, Mishor Adumim, Alon, Mizpe Yeriho … ;
o 'Südring': Kedar, Har Homa, Gilo…
Bild: 1. Ramot Allon 2. Gilo
Brutalismus, Fort-Charakter, 'Arabisierende Elemente'
.
4. Beschränkung palästinensischer Entwicklung und Illegalisierung des natürlichen, notwendigen Wachstums durch ein diskriminierendes Planungsregime
o Nicht- bzw. diskriminierende Berücksichtigung in der Stadtplanung (es gibt keine palästinensischen Vertreter in den Planungsgremien);
o Restriktive Entwicklungszonen, enge Grenzen für Besiedlung und Wohnungsbau; nur 13% der Bauzonen sind für palästinensische Gebiete ausgewiesen;
o Restriktive Landnutzungszonen, Definition von Agrar/Grünland nach Mandatsplänen von 1945, was keine andere Nutzung vorsah;
o Verweigerung von Baugenehmigungen, nicht einmal 10% werden genehmigt, die notwendig gewordenen Wohnungsbauten auf eigenem Land werden als 'illagal' bezeichnet und sind vom Abriss bedroht, über 2.000 wurden seit 1967 bereits brutal abgerissen; 28% aller Bauten sind notgedrungen außerhalb der erlaubten Zonen errichtet, Tausende von Abriss , die Familien und ihre Kinder von Obdachlosigkeit bedroht!

Karte: Anata's 'Entwickungsmöglichkeiten' Blick auf Anata
zwischen 'Staatsland' und 'Grenzen' - eingeklemmt

Alles bei freier Hand für die Siedlergruppen wie Elad und Ataret Cohanim,
Abkömmlinge der radikalen Gush Imunim, in und um Jerusalem, Vandalismus, Zerstörung und brutale Gewalt sind ihre Mittel der Vertreibung und des längst eingeleiteten Genozids. Zu ihren brutalen Aktivitäten, neben Besetzungen in allen Vierteln der Altstadt auch die mitten in den palästinensischen Stadtvierteln außerhalb, wie:
Altstadt, Christliches und Muslimisches Viertel: ca. 1.000 Personen, davon 500 sog. Yeshiva Studenten
A-Tur: ca 150 Personen , davon 80 sog. Yeshiva Studenten Name: 'Beit Orot'
Ras al Amud: ca 250 Personen, aus den USAfinanziert, ummauertwie ein Fort , Name: Maale Zeitim
Abu Dis: ca 25 Personen, Name Kidmat Zion
Mt of Olives Friedhof: ca. 15 Personen
Jabel al Mukaber: 20 Personen
Dazu kommen die inzwischen in offiziellen Zonierungsplänen (Town Planning Schemes TPS) genehmigten jüdischen Kolonien der Stadtverwaltung:
Abu Dis TPS 7659 220 Einheiten
Ras al Amud TPS 13098 104 Einheiten
Silwan TPS 13638 13632 13542 70 Einheiten
Sheickh Jerrah TPS 2591 11536 12705 312 Einheiten
(apip 08-2009)

Die aktuellen Hauszerstörungen, die neuesten Genehmigungs- und Investitionspläne der israelischen Regierung sind nur ein Baustein der weiteren Annexion Palästinas in einem lange vorbereiteten Plan. Das palästinensische Jerusalem erlebt gegenwärtig einen schleichenden URBIZID.
Die EU, voran die BRD und die USA stellen dem nichts entgegen – im Gegenteil, sie signalisieren, dass sie Interesse an dieser Form der 'Nah-Ost-Politik mit anderen Mitteln' haben. Zionismus und Globaler Kapitalismus haben gemeinsame Interessen an den Unruheherden, aber keinesfalls an einem gesicherten Frieden im Nahen Osten.
Die Bedingungen für Frieden wären dagegen für die israelische Seite ganz einfach und überfällig:
- Säkularisierung und Demokratisierung, Aufgabe des Zionismus,
- Anerkennung der Verantwortung für die Vertreibung und den schleichenden Genozid an dem palästinensischen Volk
- Bedingungslose Verhandlungen auf Basis der internationalen Beschlüsse
und sofort:
- Öffnung des Gazastreifens
- Stop aller Siedlungsaktivitäten in der West Bank und Ost Jerusalem sowie im Golan
Um dies durchzusetzen?
- Moratorium, d.h. kein Geld und keine Waffen an Israel
- Boykott Israelischer Waren, bis Israel fair verhandelt
Fotogalerie: 'Judaisierung' Jerusalems
1. Das WZO Gebäude zerstört das Bild der historischen Altstadt im 'jüdischen' Viertel
2. Ausgrabungen gefährden Al Aqsa und dienen einer einseitigen jüdischen Geschichtdeutung
3. Silwan soll David Park werden - Wandbild mit jüdischen Religionstouristen
4. Siedler mitten in Silwan-Israelische Fahne vom Dach eine Provokation
5. Die Al-Ghawi Familie seit dem 2. August 09 auf der Strasse, Siedler besetzen ihr Haus

Fotos: washington report Dec 2009: 16/17
Israels 'Landraub' seit 1947 E1: Maale Adumim weitet sich aus

aus times online 4.4.2009
Quellen:
APIP Architects and Planners for Palestine, apip.org 19.12.09
Ir Shalem (1987 ?): East Jerusalem - the Current Planning Situation Jerusalem o.J.
Kroyanker, David (1982): Jerusalem Planning and Development 1979 - 1982. The Jersualem Institute for Israel Studies for the Jerusalem Committee
Kroyanker, David (1985): Jerusalem Planning and Developpment 1982-1985 New Trends. The Jerusalem Committee and The Jerusalem Institute for Israel Studies
PASSIA (2000): Arab Jerusalem Rehabilitation Project, Case Study Anata, Jerusalem
Waltz, Viktoria (2000): Jerusalemer Stadtplanung und das Zionistische Projekt. in: Konkel, Michael, Schuegraf, Oliver (Hg): Provokation Jerusalem. 157-176
Weizman, Eyal (2008): Sperrzonen. israels Architektur der Besatzung. Nautilus Hamburg

Sonntag, 13. Dezember 2009

Israel - Mythos und Wirklichkeit

Bild: icahd 11.11.2009: Zerstörung in Silwan

Israel - die einzige Demokratie des Nahen Ostens?
Manches scheint inzwischen in der Öffentlichkeit angekommen zu sein und kritisch gesehen zu werden:
- Israel zerstört jegliche Hoffnungen auf Frieden willentlich durch weiteren Siedlungsbau und eine weitreichende Kolonisierung der West Bank
- Israel zerstört willkürlich und nach Plan ganze Wohnquartiere palästinensischer Familien in Ost - dem arabischen - Jerusalem und widersetzt sich faktisch der internationalen Entscheidung, dass dies die Hauptstadt des palästinensischen Staates wird
- Israel hat in dem letzten Angriff auf Gaza im Dez 08/Jan. 09 Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzung der Menschenrechte und der Genfer Konvention begangen - das ergibt sich aus dem Goldstone Bericht zweifellos
- Israel erlaubt sich all dieses weil im Kern die USA und Europa, voran Deutschland, ihre vollständige Unterstützung dieses zionistischen Staates immer wieder zusichern, Waffen und Geld liefern und bedingungslose 'Solidarität' zusichern.
Was nicht so gern gehört und zur Kenntnis genommen wird, ist der Fakt, dass Israel's andauernde Gewaltanwendung, der schleichende und planvolle Genozid an den Palästinensern eine Logik hat. Eine Logik, die schon mit der Gründung dieses Staates und sogar noch früher begann, als die Zionistische Weltbewegung auf ihrem ersten Weltkongress 1897 in Basel die 'Kolonisierung Palästinas' zum Programm erhob und den Tag X - die Übernahme des Landes Palästina - und die Vertreibung seiner autochthonen Bevölkerung akribisch plante und konkret vorbereitete (Pappe 2006/2007). Dies konnte nur mit Hilfe des Britischen Empires möglich werden, das nach dem 1. Weltkrieg Palästina gegen den Willen seiner Bewohner als Mandatsgebiet beherrschte. Israel ist ein Kolonialprojekt.
Israel, nach Zionistischer Definition der 'Staat des Jüdischen Volkes' gründet sich auf Gewalt, Mord, Zerstörung und Vertreibung von Anbeginn (siehe link).
Dies ist nicht leicht anzuerkennen - denn wohin kann diese Erkenntis führen?
- Zur Aufgabe des Zionismus?
- Zur Aufgabe eines Modelles 'Jüdischer Staat'?
- Zur Kapitulation vor den Palästinensern und Zulassung eines gemischten jüdisch/arabischen Staates (Einstaatenlösung) oder Zulassung eines palästinensischen Staates auf dem Gebiet 'Judäas und Samarias' (Zweistaatenlösung), was die Zionistischen Siedler in der West Bank für das 'eigentliche' Kerngebiet des 'Jüdischen Volkes' halten und vehement für sich reklamieren und mit staatlicher und Hilfe der Zionistischen Weltorganisation WZO in aggressivster Weise kolonisieren?
Wahrscheinlich geht es schon genau darum und notwendigerweise auch um ein Eingeständnis der Schuld gegenüber den Palästinensern, die um 1948 zu Zweidritteln, insgesamt ca. 750.000 Menschen, von ihrem Land und aus ihren Häusern mit Gewalt von zionistischen Milizen und der Haganah vertrieben wurden - wie es IIan Pappe, israelischer Wissenschaftler und kritischer Historiker, für notwendig hält bevor auch nur irgendeine Lösung denkbar ist.
Der Kern aber ist, und das muss auch verstanden werden, dass das Zionistische Sytem - darüber sind viele 'Analysten' sich inzwischen einig - nicht reformierbar ist, wie es manche gerne glauben wollen. Eine Prestroika à la Gorbatschow, also der Versuch einer systemischen Änderung, wenn es so etwas denn geben würde, würde, wie mit dem sowjetischen System geschehen, zum Zusammenbruch des Zionistischen Staates führen. Das wissen die real-zionistischen Staatsvertreter sehr wohl und bleiben deshalb konsequent auf ihrem blutigen Pfad. Deshalb drohen sie allen, die davor auch nur warnen mit dem immer wieder missbrauchten Argument der historischenVerfolgung und der Sicherheit.

Statt aber Israel weiterhin 'bedingungslose Unterstützung' auf diesem Weg zuzusichern, wie es unsere Regierung aktuell wieder tut, ist ein Moratorium notwendig, das Israel zwingt, den Kurs zu ändern. Kein Geld und keine Waffen soll Israel erhalten solange, bis es zu einer radikalen Änderung kommt und eine Lösung möglich wird auf Basis der historischen Tatsachen und der Beendigung des Zionistischen Systems.
Zu den historischen Ereignissen, wie es möglich wurde, dass innerhalb von beinah nur drei Jahren eine völlig neue Realität entstehen konnte und die palästinensische Bevölkerung von einer prosperierenden Gesellschaft, die die Mehrheit im Lande bildete mit einem Besitz an Land von über 94% zu einer unterdrückten und von einem Militärregime unterdrückten Minderheit ohne Bürgerrechte und um 90% von seinem Land entwurzelt und fast vollständig enteignet wurde, gibt ein Vortrag vom 9.12. in Münchner Gasteig Auskunft. Dies alles zu wissen wird dringend, um das Ausmass des Genozids zu begreifen und die heutige Politik Israels als das zu verstehen was sie ist: die Fortsetzung.
Es muss möglich werden, Israel auf einen anderen Weg als den der Gewalt, Zerstörung, Mord und den fortgesetzten Genozid an den Palästinensern zu verweisen!